EPIC Environmental physiotherapy in the clinic

Wie man seine Physiotherapie Praxis ökologisch nachhaltiger machen kann

 

Auf dieser Seite findest Du Literaturhinweise, Hintergrundinformationen und weitere Details zum EPIC Poster: ‘Wie man seine Physiotherapie Praxis nachhaltiger machen kann’. Unter allen Punkten findest Du:

(1) Maßnahmen zur Umsetzung der einzelnen Punkte. Die zu den einzelnen Punkten des Posters vorgeschlagenen Maßnahmen sind beispielhaft, weil es immer auch noch weitere Möglichkeiten sowie regionale und nationale Unterschiede gibt. Auch sind die Lebenswelten der Menschen unterschiedlich und jede*r sollte für sich prüfen, welche Maßnahmen für die eigene Lebenswelt am zielführendsten sind.

(2) Begründungen dafür warum und wie diese Maßnahmen zur Klimaneutralität beitragen

(3) Verweise und Quellen zu seriösen Informationen. Als seriöse Quellen betrachten wir Urheber, die sich auf anerkannte wissenschaftliche Erkenntnisse berufen und nachweislich unabhängig agieren (z.B. unabhängig von Unternehmen oder deren Interessengruppen). Kommerzielle Anbieter (z.B. Bewertungsplattformen, Stiftung Warentest, Ökotest) sind nicht grundsätzlich ausgeschlossen, insofern sie unabhängig arbeiten. Grundsätzlich können wir, trotz großer Sorgfalt bei den Recherchen, keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben von Dritten übernehmen. Im Zweifelsfall hoffen wir dass Du selber weiter recherchierst und uns von Deinen Einsichten berichtest damit wir das hier Präsentierte verbessern können.

Das ‘Wie man seine Physiotherapie Praxis ökologisch nachhaltiger machen kann’ Poster und die zusätzlichen Informationen auf dieser Seite sind als eine Zusammenarbeit der Physios für planetare Gesundheit, organisiert unter Health for Future Deutschland, und der Environmental Physiotherapy Association entstanden.

Die hier gesammelten Erläuterungen sollen Dir helfen, gezielte Maßnahmen in Deiner Praxis (und im Privatleben) umzusetzen, um einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit zu leisten. Die Notwendigkeit, der Klimakrise schnell und konsequent zu begegnen, erfordert von allen Menschen, Institutionen und Organisationen nachhaltiges Handeln. Als wegweisend gelten aktuell die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (UN). Die nachhaltige Physiotherapiepraxis nützt nicht nur der Umwelt und der Gesellschaft. Auch die Wirtschaftlichkeit der Praxis kann sich mittelfristig erhöhen, womit sich Einkommensperspektiven verbessern. Um uns zu dabei zu helfen unsere EPIC Poster weiter zu verbessern folge bitte den Informationen weiter unten auf dieser Seite.

1. Treibhausgasbilanz und Einsparungspotenzial ermitteln

Am Beginn des Weges zur nachhaltigen, klimaneutralen Praxis steht die Analyse des ökologischen Fußabdrucks des Unternehmens – also der Befund bzw. IST-Stand. Ausgehend von diesem Befund können Einsparpotenziale identifiziert werden, welche sich vorrangig aus den folgenden Punkten (2.-8.) ergeben und dort näher beschrieben sind. Wir fokussieren uns hier besonders auf den CO2-Äquivalent-Fußabdruck, ein Maß für die Emissionen durch ein Produkt, einen Menschen, ein Unternehmen, …, bei dem die verschiedenen klimaschädlichen Substanzen (z.B. Methan u.a.) auf das Schädigungspotenzial von CO2 umgerechnet werden.

 

Maßnahmen

Für die Berechnung des CO2-Äquivalent-Fußabdruck stehen verschiedene Plattformen zur Verfügung, darunter beispielsweise:

  1. CO2 Rechner für Unternehmen von KlimAktiv.de
  2. Berechnung des CO2 Footprints durch Fokus Zukunft 
  3. Berechnung des CO2 Footprints durch DEKRA

Begründung

Mit einer IST-Stand-Analyse lassen sich die folgenden Maßnahmen zielgerichtet und effizient planen (SOLL-Bestimmung, „Therapieziel“) und vor allem die Ergebnisse der Bemühungen nachweisen (Wiederbefund, SOLL-IST-Vergleich). Ganz ohne Emissionen geht es jedoch auch nicht. Die verbleibenden Emissionen können mit entsprechenden Maßnahmen kompensiert werden, darunter z.B. durch Baumpflanzungen (ca. 50 Bäume = 1 Tonne CO2), Wiedervernässung von Mooren (z.B. https://moorfutures-schleswig-holstein.de/), oder Industriezertifikate (z.B. https://www.compensators.org/; Spende steuerlich absetzbar).

Quellen und Informationen

Drei Schritte zur CO2 Bilanz eines Unternehmens: https://plant-values.de/3-schritte-zu-einer-co2-bilanz-im-unternehmen/8085/

Carbon footprint für Unternehmen einfach erklärt: https://dfge.de/carbon-footprint-fuer-unternehmen/

Weitere CO2 Rechner: https://utopia.de/ratgeber/co2-rechner-5-webseiten-mit-denen-du-deine-klimabilanz-errechnen-kannst/

2. Energie sparen: Strom, Wasser, Heizen

Energie sparen bedeutet gleichzeitig auch Geld einzusparen und ist somit auch wirtschaftlich nachhaltig für Ihre Praxis. Maßnahmen hierfür sind von kleinen Veränderungen (auf Verhaltensebene) möglich, bis hin zu größeren Veränderungen (wie etwa der Austausch eines bestehenden Systems durch ein nachhaltigeres System). Es können aber auch Optimierungsmaßnahmen am bestehenden System angewendet werden, um eine Emissionsreduktion zu erzielen (sozusagen der Mittelweg). Auf jeden Fall können Sie mit kleinen Veränderungen schon Einsparungspotenziale bewirken! Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland verbraucht Energie in Form von etwa 15% Warmwasser, 14% Strom und 71% Raumwärme. Daher beschreiben wir die Energiesparmaßnahmen für Praxen auch für die Bereiche Strom, Wasser und dem Heizen.

 

Maßnahmen

Strom 

    • Tageslicht statt Kunstlicht
    • Geräte ausschalten (z.B. PC, Drucker,…) anstatt Standby-Modus
    • Abschaltbare Steckdosenleisten abends ausschalten
    • Energieeffiziente Geräte einsetzen

Wasser

    • Achtsamkeit beim Wasserverbrauch, besonders Warmwasser (auch die Herstellung anderer Produkte z.B. Kleidung, Essen verbraucht viel „unsichtbares“ Wasser)

Heizen

    • Stoßlüften (3-4x täglich 5min. Lüften) statt Fenster zu kippen

Begründungen

Strom: LED Glühbirnen sind zwar teurer, halten aber etwa 25x länger als Glühbirnen und verbrauchen deutlich weniger Energie. Energieeffizienz-labels für elektronische Geräte, wie etwa das EU-Energieverbraucherkennzeichen, gibt u.a. Informationen über den Energieverbrauch.  Ein Kühlschrank der Energieeffizienzklasse A+++ verbraucht im Vergleich zu einem Kühlschrank der Energieeffizienzklasse A+ etwa 100 Kilowattstunden (kWh) weniger pro Jahr,  dass sind etwa 40kg CO2 weniger/ Jahr.

Wasser: Der Warmwasserverbrauch benötigt am meisten CO2, denn es muss zuerst erhitzt werden, dass verbraucht wiederum Energie und kann deswegen bis zu 4,5x teurer sein als Kaltwasser. Um die allgemeinen Wasserausgaben zu senken kann man durch Sparduschköpfe etwa 50% des Wasserverbrauches senken. Auch Spülmengenregulator an Toiletten führen zu Einsparungen.

Heizung: Oft wird überhitzt oder vergessen die Heizung abzustellen, deswegen eignet sich eine Temperaturkontrolle.  In deutschen Haushalten können pro Jahr 500kg CO2 (etwa 150 €) allein für das Heizen eingespart werden! Erdgas oder Fernwärme ist klimaschonender als eine Ölheizung. Aber noch besser sind Heizgemeinschaften durch Wärmepumpen und die Nutzung von Solarthermie oder Erdwärme.

 

Quellen und Informationen

LED vs. Glühbirne (Punkt 16): https://news.climate.columbia.edu/2018/12/27/35-ways-reduce-carbon-footprint/

EU-Energieverbraucherkennzeichen

Wie viel Strom verbrauch mein Kühlschrank? https://www.mein-klimaschutz.de/zu-hause/a/kueche/wie-viel-strom-verbraucht-ein-kuehlschrank/

Wasser sparen: https://www.mein-klimaschutz.de/zu-hause/a/bad/wie-kann-ich-wasser-sparen/

Durchschnittlicher Wasserverbrauch deutscher Haushalte: https://www.co2online.de/energie-sparen/heizenergie-sparen/warmwasser/durchschnittlicher-wasserverbrauch/

Warmwasserverbrauch prüfen: https://www.co2online.de/energie-sparen/heizenergie-sparen/warmwasser/

BEDW Studie zum Heizungsmarkt: https://www.bdew.de/media/documents/Pub_20191031_Wie-heizt-Deutschland-2019.pdf

Richtig heizen: https://www.mein-klimaschutz.de/zu-hause/a/heizung/wie-kann-ich-richtig-heizen/

Umweltfreundliche Heizanalagen: https://www.umweltbundesamt.de/themen/mehr-klimaschutz-einer-neuen-heizung

3. Abfall reduzieren: Einsparen, Wiederverwenden und Recyclen

Ähnlich wie in Fragen der CO2-Emissionen empfiehlt es sich zuerst zu ermitteln in welchen Bereichen ein Einsparen von Abfallproduktion möglich ist. Als nächsten Schritt, verschaffen Sie sich einen Überblick welche Ressourcen öfter benutzt werden könnten, beispielsweise durch Upcycling oder Second Hand. Wenn es dann doch zur Müllproduktion kommt, achten Sie auf Mülltrennung und korrekte Entsorgung von Sondermüll. Folgende Aufzählungen stellen einige Beispiel da und sind von jeder Praxis individuell zu ergänzen.

 

Maßnahmen

Einsparen

    • Wo immer es geht sollte man Plastik vermeiden, sowohl beim Produkt selbst als auch bei der Verpackung. Auch Papier zu sparen (z.B. Durch Digitalisierung) hilft der Umwelt, vereinfacht Abläufe und spart Geld. Weitere Informationen finden Sie unter den Punkten 7 und 8.

Wiederverwenden

    • Mehrweg statt Einweg und/oder Nachfüllpackungen
    • Recycelte Flaschen pro Mitarbeiter*in kaufen oder (am besten) Tafelwasser trinken
    • Waschbare Schutzmäntel verwenden, bei der Behandlung mit Hochrisikopatient*innen
    • Patient*in bringt eigenes Handtuch/Laken mit, wird darauf hingewiesen dieses öfter zu benutzen
    • Alternativen zu Papierhandtücher: elektrische Händetrockner, Recyclingpapierhandtücher, Stoff-handtuchrollen im Handtuchspender oder am Besten Jetstreams
    • Bereits bedrucktes Papier (unter Einbehaltung des Datenschutzes) als Schmierpapier verwenden
    • Gläser statt Papierbecher im Wartezimmer verwenden
    • Datenschutzerklärung laminieren, unterschreiben, einscannen, abwischen, wiederverwenden

Recyceln

    • Stellen Sie mehrere beschriftete Mülleimer zur Verfügung zur Trennung von Plastik, Papier und Restmüll, sowie eine separate Sammelstelle für Sondermüll, wie Batterien oder Glühbirnen.

Begründungen

Brunnen eG (2008) zeigte, dass PET-Mehrwegflaschen, dicht gefolgt von Glas-Mehrwegflaschen, umweltfreundlicher als PET-Einwegflaschen sind.

Durch große Nachfüllpackungen benötigen Sie weniger Einwegprodukte und sparen gleichzeitig Geld.

Das Umweltbundesamt machte 2014 ein Studie zum Vergleich von Händetrocknungssystemen unter ökologischen Aspekten. Das Ergebnis zeigte, dass Jetstreams die geringste Belastung für die Umwelt aufzeigen.

Durch korrekte Mülltrennung können Wertstoffe besser wiederverwertet und somit Müllberge vermieden werden. Glas und Papier lassen sich im Verhältnis zu Plastik einfacher wiederverwerten. Aus recycelten Papier, könnten beispielsweise Zeitschriften, Büromaterialien, Kartonagen, Hygienepapiere etc. erzeugt werden.  Plastikmüll kann in Deutschland nur um ca. 16% recycelt werden, weltweit sogar noch weniger. Deshalb sollte besonders Plastikmüll reduziert werden.

 

Quellen und Informationen

Deutscher Brunnen eG (2008), Studie Mehrweg- und Einwegflaschen: https://www.mehrweg.org/mehrwegsystem/oekobilanzen/

Umweltbundesamt(2014), Studie Vergleich Händetrocknungsgeräte: https://www.umweltbundesamt.de/haendetrocknung-0

Vorteile Wiederverwertung von Abfallprodukten: https://wirentsorgen.de/bedeutung-von-recycling-fuer-die-umwelt/

Reduce, Reuse, Recycle: The Three R’s: https://www.greenandgrowing.org/reduce-reuse-recycle-information/

Plastic waste worldwide – statistics & facts: https://www.statista.com/topics/5401/global-plastic-waste/#dossierKeyfigures

74 recycling facts and statistics for 2021: https://www.rts.com/blog/recycling-facts-statistics/

4. Umweltbewusst unterwegs: Arbeitswege, Hausbesuche, Fortbildungen, Konferenzen

Der Verkehrssektor trägt mit ca. 20% (2019) zu den Treibhausgasemissionen in Deutschland bei. Die Mobilität findet immer noch weitestgehend mit dem eigenen Auto statt.

  • Nur 11% der Wege werden in Deutschland mit dem Rad zurück gelegt
  • Für nur 7,4% der Wege wird in Europa durchschnittlich das Rad genutzt
  • 57% der Wege in Deutschland werden mit dem Auto zurückgelegt
  • Bis zu 50% der Pkw-Fahrten in Deutschland sind kürzer als 5km und liegen somit in einem Entfernungsbereich, der mit dem Fahrrad häufig am schnellsten ggf. auch zu Fuß zu erreichen ist.

Ein weiteres Argument für eine umweltfreundliche Mobilität ist die Lärm-und Luftverschmutzung. Letzteres ist leider ein umweltbedingter Risikofaktor für kardiopulmonale Sterblichkeit (Mitursache von 43.500 vorzeitige Todesfälle in Deutschland 2013). In Kombination mit den anderen hier aufgeführten Punkten ist damit eine sofortige und drastische Reduktion der Treibhausgasemissionen im Verkehr notwendig um die Bevölkerungsgesundheit trotz des bestehenden Klimawandels zu schützen.

Maßnahmen

  • Förderung der aktiven Mobilität für den Arbeitsweg und für Hausbesuchen
  • Attraktive Angebote für Mitarbeitende wie z.B. 10%ige Förderung des ÖPNV-Ticket oder des Radverschleiß durch den/die Arbeitgeber*in, Betriebsfahrräder oder ähnliches
  • Gemeinsam fürs Klima Radeln als Teambuildung Aktivität: projekt.klimaretter-lebensretter.de
  • Motivieren von Patient*innen zu aktiver Mobilität im Alltag und auf dem Weg zur Praxis

 

Begründungen

Die Alternativen Radfahren, Gehen und Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel kann Millionen Tonnen CO2 einsparen. Regelmäßige aktive Bewegung, in Form von Ausdauertraining, an der frischen Luft wirkt kardioprotektiv und erhöht die allgemeine Gesundheit. Durch Radfahren erhöht sich die Lebenserwartung sogar um 3-14 Monate. Außerdem trägt es auch zur seelischen Gesundheit bei. Somit können u.a. Kosten durch verringerte vorzeitige Sterblichkeit chronischer Erkrankungen (sog. Volkskrankheiten) wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Mellitus Typ II, Osteoporose oder Übergewicht reduziert und präventiv beeinflusst werden. Es hat außerdem einen positiven Effekt: weniger Lärm und Luftverschmutzung, die durch Verkehr entstehen.

Denn Luftverschmutzung wird als krebserregend eingestuft und ist mit Feinstaub weltweit der führende Risikofaktor für Herz- und Lungenerkrankungen: Die kleinen Feinstaubpartikel können in die Atemwege und Blutbahn eindringen und Veränderungen bei der Aktivierung des vegetativen Nervensystems, der Dämpfung endothelialen vasomotorischen Funktion sowie systemische Entzündungen und oxidativen Stress auslösen. Je nach kurzzeitiger (mehrere Stunden bis Tage) bzw. langzeitiger Exposition (mehr als einen Tag) entsteht ein erhöhtes Risiko für Bronchitis-Symptome bei Kindern, chronische Bronchitis bei Erwachsenen, Asthmaanfälle sowie Herz-Kreislaufbeschwerden. Eine Krankenhauseinweisung auf die Intensivstation könnte im schlimmsten Falle folgen.

 

Quellen und Informationen

Mobilität in Deutschland: http://www.mobilitaet-in-deutschland.de/pdf/MiD2017_Ergebnisbericht.pdf

Umweltbundesamt, nachhaltiger Verkehr: https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehrlaerm/nachhaltige-mobilitaet/radverkehr#gtgt-schnell

Global Mobility Report 2017: https://openknowledge.worldbank.org/bitstream/handle/10986/28542/120500.pdf?sequence=6

Heal climate co-benefits: https://www.env-health.org/IMG/pdf/heal_climate_co-benefits_german_def_lr.pdf

Umweltbundesamt Tipps: https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/mobilitaet/fahrrad-radeln#hintergrund

5. Nachhaltige Arbeitskleidung, Praxiseinrichtung und Therapiemittel

Für Neuanschaffungen sollten Sie fair produzierten Produkten Vorrang geben, bzw. Firmen aus-wählen, die umweltfreundlich produzieren. Wir empfehlen regionales Einkaufen, um Transportwege zu reduzieren.

 

Maßnahmen

  • Achten Sie beim Einkauf auf nachhaltige Produktkennzeichen und Siegel
  • Einigen Sie sich als Team plastikfreie Kleidung (statt Funktionskleidung) zu tragen
  • Kaufen Sie keine neuen Tennisbälle, sondern fragen Sie ihn Sportvereinen nach alten/ verspielten Bällen (in der Regel bekommen Sie diese geschenkt)
  • Therapiemittel, wie der eigene Körper, alltägliche Gegenstände oder die Umgebung miteinzubeziehen
  • Halten Sie nach langlebigen Produkten Ausschau und Produkten mit recyceltem Plastik oder nachhaltigeren Rohstoffen (z.B. Kork und Holz)
  • Bei der Wahl von Endgeräten, können Sie auch einiges beachten (siehe Punkt 8). Hier können Sie sich auch für den Kauf eines gebrauchten Gerätes entscheiden

Begründungen

Seit 2014 gibt es das Textilbündnis, welches das Ziel verfolgt die Textilproduktion sowohl in sozialen als auch ökologischen Bedingungen zu verbessern. Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, zusammen mit Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften, um eine nachhaltige Produktion zu erzielen. Das bedeutet eine Produktion ohne Kinderarbeit, ohne Ausbeutung der Beschäftigten und ohne Einsatz von umweltschädlichen Chemikalien.

Zur Kennzeichnung von nachhaltigen Textilien wurden Produktkennzeichen und Siegel entwickelt, z.B.:

Wenn sie vermehrt ohne Therapiemittel arbeiten, ermöglicht es Ihren Patient*innen Übungen zu Hause durchführen zu können, ohne sich Materialen (z.B. Therabänder) kaufen zu müssen.

  • Wählen Sie Firmen aus, die z.B. mit dem weltweiten Umweltmanagementstandart von ISO zertifiziert sind: https://www.iso.org/iso-14001-environmental-management.html
  • Das Siegel „EMAS“ zeichnet EU-weit Firmen aus: https://ec.europa.eu/environment/emas/index_en.htm
  • In Deutschland ist der „blaue Engel“ ein führendes Umweltsiegel: https://www.blauer-engel.de/de

Neben dem Umweltaspekt, haben Möbel und Einrichtungsgegenstände Einfluss auf die Innenraumluft und somit auch auf die Gesundheit der Angestellten und Patient*innen.  Als Folge einer unzureichenden Innenraumluftqualität können Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen oder Augenreizungen auftreten. Speziell für Möbel gibt es in Deutschland das „Goldene M“. Möbel mit diesem gekennzeichneten Siegel unterliegen einer Qualitätssicherung zur Gesundheitsverträglichkeit und müssen sicher, stabil und gut verarbeitet sein: www.dgm-moebel.de/das-goldene-m.html

 

Quellen und Informationen

6. Mit nachhaltigen Partnern arbeiten: Versicherung, Bank, Stromanbieter und andere

Angesichts der immensen Rolle des Energiesektors und anderer Großindustrien bei den heutigen sozialen und ökologischen Krisen und ihrer Verbindungen zum Banken-, Versicherungs- und ähnlichen Sektor sind Divestment und die Zusammenarbeit mit Partnern im Bereich der Nachhaltigkeit eine entscheidende Maßnahme, um die Nachhaltigkeit von Physiotherapie Praxen zu verbessern.

Maßnahmen

  • Stromanbieter nach Nachhaltigkeitskriterien auswählen
  • Mit Versicherungen und Banken arbeiten die Nachhaltigkeit prioretisieren

Begründungen

Stromanbieter und andere Partner

Neben den Versicherungen und Banken gibt es weitere Partner bei denen auf Nachhaltigkeit geachtet werden kann. Diese Partner können zum Beispiel Abrechnungsdienste, Steuerberater, Lieferanten oder Stromanbieter sein. Um auch neue Partner oder Unternehmen auf ihre Nachhaltigkeit zu überprüfen, ist es im Allgemeinen hilfreich herauszufinden, ob das Unternehmen die “Drei-Säulen” der Nachhaltigkeit (Ökologie + Soziales + Ökonomie) in ihrer Unternehmenspolitik und -kultur berücksichtigt oder sich in der Unternehmensführung an den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen orientiert. Beispiel Ökostrom:  Die Verwendung von Ökostrom in Krankenhäusern kann bis zu 72% Emissionen einsparen. Da der Begriff „Ökostrom“ nicht geschützt ist, empfiehlt es sich, Stromanbieter mit zertifizierten Labels (Eco Top Ten, Ok-Power-Label, Grüner-Strom-Label) zu verwenden oder eine Beurteilung über wirklich-grün.de (für Deutschland) bzw. unter green-e.org (international) durchzuführen.

Nachhaltige Versicherungen und Banken

Nachhaltige Versicherungen und Banken zeichnen sich dadurch aus dass sie ihre Kapitialanlagen nach den ESG (Environmental Social Governance) Kriterien investieren. Das bedeutet, dass sie ihr Geld ausschließlich in ethisch und ökologisch vertretbare Unternehmen investieren und somit eine nachhaltige Entwicklung und soziale Projekte fördern. Sie investieren somit nicht in Projekte oder Unternehmen die zum Beispiel die Energiewende bremsen, Menschenrechte verletzten, die Umwelt zerstören und Tierversuche oder Gentechnik betreiben. Allerdings ist zu beachten, dass jede Bank ihre eigenen Ausschlusskriterien für Investitionen hat. Diese sind jeweils auf den Internetseiten der Unternehmen zu finden. Beispiele für Nachhaltige Banken sind die GLS Bank, EthikBank, Triodos Bank und Tomorrow bank.

Quellen und Informationen

7. Achtsam mit Papier umgehen

Die Verringerung des Papierverbrauchs ist nach wie vor eine wichtige Umweltmaßnahme, unter anderem zur Erhaltung der Wälder und zur Verringerung des gesamten Fußabdrucks der weltweiten Papierindustrie. Um sich einen Überblick zu verschaffen, sei darauf hingewiesen, dass 10 Blatt Normalpapier 100 g Holz, 2,6 l Wasser, 0,5 kW/h Strom verbrauchen und 100 g CO2 erzeugen, während 10 Blatt Recyclingpapier: 100g Altpapier, 1,0 l Wasser, 0,2 kW/h Strom, 80g CO2 (Quelle: papiernetz.de)

Maßnahmen

Papier kann man an vielen Stellen sparen. Grundsätzlich ist es einfach: Immer wenn Sie Papier sehen oder in die Hand nehmen, fragen Sie sich: “Ist das nötig?” Wenn es eine (ökologischere) Alternative gibt: nein! Eine Alternative kann heute oft in digitalen Lösungen liegen. Aber auch hier ist Vorsicht geboten (siehe Punkt 8 weiter unten).

  • digitale Terminorganisation (Patient*innen online selber Termine buchen lassen)
  • digitale Verwaltung (weg mit den vielen Ordnern)
  • nur ausdrucken, was unbedingt erforderlich ist
  • Recyclingpapier nutzen (auch auf der Toilette), auf Küchenrollen verzichten (Lappen nutzen)
  • einseitig Bedrucktes als Schmierpapier verwenden
  • digitale Patient*innenakte
  • Heißlufttrockner statt Papierhandtücher
  • Flyer, Broschüren und Postwurfsendungen landen zu über 95% ungelesen im Müll. Statt dessen digitale Medien für den Kundenkontakt nutzen.
  • Briefpost nur wenn unbedingt erforderlich. Digitale Alternativen suchen (z.B. Kontakt zu Patient*innen, Geschäftspartner*innen, Ärzt*innen) bspw. per Mail oder Messenger
  • Gläser und Keramik statt Pappgeschirr

Begründungen

Als finales Ziel kann man sich eine “papierfreie Praxis” vorstellen. Unrealistisch? Nun, man wächst mit seinen Aufgaben und es kann zunächst ja auch eine Annäherung sein. Ideen dazu gibt es schon länger – und die machen die Praxis sogar effizienter, denn Papiernutzung verbraucht oft mehr Zeit als andere Lösungen (DtschÄrztebl, 2011). Wird z.B. der digitale Praxisterminplaner gleich mit der Mailadresse der Patient*in verknüpft, bekommt diese*r automatisch eine Terminerinnerung per Mail (oder alternativ aufs Handy). Jede Online-Terminbuchung bei einem Frisör funktioniert so …Warum nicht gleich die Patient*innen ihre Termine online selber buchen lassen? Bieten auch viele Arztpraxen und einige Physiopraxen schon an. Aber natürlich bieten wir nicht digital affinen Patient*innen nach wie vor den händischen Service auch noch an.

Quellen und Informationen

8. Digitalisierung: Nachhaltige(r Umgang mit) Hardware, Software, Patientenakten und Kommunikation

Digitalisierung bietet Chancen und Risiken für die Umwelt. Sie kann dazu beitragen, Ressourcen zu schonen und Prozesse effektiver und/oder effizienter zu gestalten. Aber auch die Digitalisierung verbraucht Ressourcen (z.B. seltene Erden), fördert Ausbeutung und soziale Ungleichheit (z.B. Arbeitsbedingungen in afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Minen), verschmutzt die Umwelt bei Herstellung, Betrieb und Entsorgung und hat einen erheblichen CO2-Äquivalent-Fußabdruck.

 

Maßnahmen

  1. Digitale Verwaltung von Patientenakten und Kommunikation mit Patient*innen und Partner*innen
  2. Nachhaltige Software und Endgeräte (Hardware)
  3. Nachhaltige Suchmaschinen
  4. Nachhaltiges Webhosting

 

Begründungen

1. Digitale Verwaltung von Patientenakten und Kommunikation mit Patient*innen und Partner*innen

Eine zunächst interne digitale Patient*innenakte für Patient*innendaten, Befund- und Therapiedokumentation sowie sonstige Unterlagen (MRTs, Therapieberichte etc.) spart Platz, da Aktenschränke wegfallen, ist praktisch, da alles schnell auffindbar, leicht zu handhaben und mit Abrechnungstools verknüpfbar ist. Das spart Papier und “Zettelwirtschaft”.

Es gibt zahlreiche Anbieter für digitale Lösungen, die sich leicht per Internetsuche finden lassen. Wir konnten leider bei unserer Recherche keine Angaben zur Nachhaltigkeit bei Produktentwicklung und -betrieb finden. Beim eigenen Anbieter gezielt nachzufragen, kann auch etwas bewirken.

Am besten ist es, wenn die Patientendaten direkt auf einem sicheren Server in der Einrichtung gesichert werden und nicht in einer Cloud z.B. beim Anbieter. Das ist wesentlich energiesparender.

Seit 01. Januar 2021 gibt es die elektronische Patientenakte (ePA) als interinstitutionelle (externe) Schnittstelle für die Patientenversorgung gemäß Terminversorgungs- und -servicegesetz (TVSG). Was das für die Physiotherapie bedeutet, hat der Berufsverband VDB zusammengefasst: https://vdb-physio.de/aus-der-therapie-und-praxis/die-elektronische-patientenakte/

Wo es geht, sollte auf digitale Kommunikation umgestellt werden. Auch für den Kundenkontakt zu Marketingzwecken bieten sich heute digitale Lösungen (z.B. Mailverteiler) an.

Aber Vorsicht! Auch digitale Kommunikation belastet die Umwelt: z.B. zwischen 4 und 50g CO2 pro Mail je nach benutzten Servern, Datenmenge, Anhängen, Logos usw. (siehe z.b.: https://oliverbrux.de/blog/der-co2-fussabdruck-von-e-mails). Grundsätzlich gilt auch hier: Einsparung ist erste Wahl! Alles, was über “das Netz” läuft, verursacht einen ökologischen Fußabdruck (z.B. Clouds, Streaming, Mails, Bankgeschäfte, PC etc. Nutzung generell). Je höher die Datenmenge und die Sicherheitsstandards, desto mehr Energie wird verbraucht.

2. Nachhaltige Software und Endgeräte (Hardware)

Hier wird es tatsächlich schwierig. Digitale Endgeräte bestehen aus unzähligen Komponenten, die ihren Ursprung von der Rohstoffförderung bis zur Endfertigung rund um den Globus haben und damit die Nachhaltigkeit kaum kontrollierbar ist.

Auch Software verbraucht bei Herstellung, Updates und Nutzung viel Energie. Auch hier lohnt es, sich schlau zu machen, denn oft gibt es für eine Anwendung mehrere Softwareanbieter mit Lösungen.

Trotz der Komplexität gibt es einige wenige Alternativen. Bei smartphones z.B. Fairphone und Shiftphones. Auch der Kauf gebrauchter Geräte ist eine Möglichkeit. Die Geräte sind gut aufgearbeitet, upgegraded und vor allem preiswert und sie haben Garantie. Das spart Ihr Geld, Ressourcen, Energie und Müll gleichzeitig. (z.B. www.refurbed.de/).

3. Nachhaltige Suchmaschinen

Selbst bei Ihren Suchen im Internet können Sie etwas Gutes für die Umwelt tun, denn jede Suchanfrage verbraucht erheblich Energie, denn tausende Server werden aktiv, um die Ergebnisse zu liefern. Die Suchergebnisse sind bei sich der Nachhaltigkeit verpflichtenden Suchmaschinen nicht schlechter, als wenn Sie bei Google suchen und häufig wird auch verantwortungsvoller mit Ihren persönlichen Daten umgegangen. Beispiele für nachhaltige Suchmaschinen:

  • Ecosia (Ökostrom, Baumpflanzungen zur CO2-Kompensation)
  • Ekoru (nutzt nur Energie aus Wasserkraft und unterstützt die Säuberung der Ozeane)
  • Gexsi (Ökostrom, fördert soziale Investitionen)
  • Lilo (Klimakompensation und Unterstützung sozialer Projekte – frei wählbar für Kunden)

4. Nachhaltiges Webhosting

Diese verursacht ggf. einen nicht unerheblichen ökologischen Fußabdruck. Das geht auch anders. Es gibt nachhaltige Anbieter, die z.B. die immense Abwärme der Server zur Warmwasseraufbereitung oder zum Beheizen von Büros, Wohnungen, Gewächshäusern oder zur Rückgewinnung von Strom nutzen und darüber hinaus Ökostrom nutzen und ihren eigenen Fußabdruck kompensieren. Sie können mit Ihrer Homepage einfach umziehen … viel einfacher als in eine neue Wohnung (https://www.hosttest.de/artikel/wie-geht-ein-webhosting-1386.html).

Und zu guter Letzt:

Wer seinen digitalen Fußabdruck minimiert, schützt nicht nur seine Privatsphäre und die seiner Familie, Freunde, Bekannten, Kollegen usw. sondern schützt auch noch die Umwelt. Daten verbrauchen grundsätzlich Strom (für Generierung, Speicherung, Sicherung, Transport). Je weniger Daten Sie “im Netz” haben, desto besser. Am wichtigsten ist auch hier, das eigene digitale Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen. Und oft ist es fehlendes Wissen um Alternativen oder die Funktionsweise des Internets. Sie können Einiges tun, um hier nachhaltiger zu werden, z.B.: (a) nur die notwendigen Cookies von Websites zulassen, spart Energie. Jeder Cookie setzt Server in Gang, die Strom verbrauchen oder (b) offline Karten auf dem Navi nutzen. Live-Rooting z.B. mit Google Maps verbraucht eine Menge Energie, oder (c) downloaden statt streamen: Streaming verbraucht sehr viel Energie!

Quellen und Informationen

Habt Ihr schon irgendwelche dieser Massnahmen ausprobiert oder umgesetzt?

Berichtet uns von Euren Erfahrungen damit Eure Physio Praxis ökologisch nachhaltiger zu machen!

Da die environmental physiotherapy noch ein sehr junges Feld in der Forschung, Ausbildung, und Praxis ist gibt es noch vieles das geprüft, ausprobiert und weiterentwickelt werden muss. Aus diesem Grund hoffen wir Du wirst die fortlaufende Verfeinerung unserer EPIC Poster und ausführenden Materialien weiter unterstützen. Einige Formed der Unterstützung brauchen wir praktisch unmittelbar:

1. Wir brauchen Übersetzungen und kontext-spezifische Anpassungen unserer Poster und Hintegrundinformationen auf so viele Sprachen wie möglich. Wenn Du Dich für diesen Zweck mit Deiner Zeit und Mühe einsetzen könntest, wende Dich bitte über das unten stehende Kontaktformular an uns.

2. Wir würden uns über Ihr Rückmeldungen zu den bestehenden Postern freuen, die uns dabei zu helfen, neue Vorschläge hinzuzufügen, bestehende zu verbessern und die Evidenzbasis weiter zu stärken, um unsere Vorschläge zu unterstützen. Teile uns über das unten stehende Kontaktformular mit welche Vorschläge sinnvoll oder vielleicht schwer umsetzbar sind, wie wir die Plakate und sonstigen Empfehlungen besser an Deinen konkreten Kontext anpassen können und was Dir sonst noch so einfällt.

3. Wir suchen nach eine Team von Freiwilligen die Lust hätten ein weiteres EPIC Poster zu erarbeiten. Wenn sich das nach Euch anhört dann meldet Euch bitte bei uns über das untenstehende Formular.

Vielen Dank für Eure Unterstützung!  🌍 🌏 🌎 🚑  #EnviroPT

 

Lust die weitere Entwicklung unserer EPIC Poster zu unterstützen? Wir würden gerne hier von Dir hören!

8 + 1 =